Unsere Chronik



Vereins-Chronik aus der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum im Jahre 1978

KEINESFALLS zufällig fanden sich im Sommer 1928 15 Angler zusammen, um einen Verein zu gründen. Diese Sportkameraden haben erkannt, daß ein einzelner nichts erreichen kann. Eine Gemeinschaft jedoch eher gehört und beachtet wird. Die Vereinsgründung fiel in eine Zeit, in der sich die Menschheit anschickte, mit großem Aufwand an Technik, der Natur den Garaus zu machen. Obwohl niemand die zurückliegende Entwicklung voraussehen konnte, so zeigten sich doch Perspektiven, die naturverbundene Menschen hellwach werden ließen. Der Bau des Neckarkanals war u.a. so ein technisches Werk, dessen Entstehung die Angler mit einem weinenden und einem lachenden Auge verfolgten. Sie vermerkten sehr wohl eine begrüßenswerte Vergrößerung ihres Fischwassers, befürchteten aber, wie sich später als richtig herausstellte, daß das Bauwerk eine Verringerung des Fischbestandes nach sich ziehen würde. Salmoniden und Maifische starben aus. Brachsen und Barben mußten sich neue Lebensräume erschließen. Der beantragte Einbau von Fischtreppen, den Verbände und Fischereiexperten gefordert hatten, hat nur einen Teilerfolg gebracht. Immerhin waren die Bemühungen der damaligen Fischereiorganisationen nicht ganz nutzlos.

ALLERDINGS haben nicht nur sportliche Belange die 15 Männer zusammengeführt, Sie pflegten die den Jlvesheimern eigene, gemütliche Geselligkeit. Die dem Chronisten noch bekannten, inzwischen alle verstorbenen Gründungsmitglieder Markus Scheidel, Peter Grohmüller und Wilhelm Bühler haben uns Jungen oft von herrlichen Abenden im Vereinslokal “Zur Krone“ berichtet. Bei Gesang und Anglerlatein hat sich insbesondere letzterer als Lautenschläger und Interpret lustiger Lieder hervorgetan. Aber nicht nur Fortschritt und gute Laune waren Begleiter auf dem Wege der Vereinsgeschichte. Dabei zählt nicht das Auf und Ab in den Mitgliederzahlen. Vielmehr ist an die Jahre der unter Zwang erforderlichen Einschränkungen zu denken. Der Krieg hat Opfer gefordert und die Menschen hatten andere Sorgen, als sich einem Verein anzuschließen. Doch brachten gerade die mageren Jahre nach dem Krieg einen Aufschwung, weil viele, von uns als Kochtopfangler bezeichnete Mitbürger, plötzlich die Liebe zur Angelei entdeckten. Sie erhofften sich eine willkommene Aufbesserung des Speisezettels. In der Tat war aber nicht nur für sie die Tagesbeute ein wichtiger Bestandteil der sonst dürftigen Ernährung.

UNSERE Jugend hat diese Sorgen heute glücklicherweise nicht mehr. Gerade für sie sei in dieser Chronik nur beispielsweise darauf verwiesen, daß der Fisch ein gutes Tauschobjekt bei Bäckern, Metzgern und im Lebensmittelhandel war. Ein vierpfündiger Fisch brachte drei Pfund Fleisch oder 3 Pfund Brot oder ebenso viele Lebensmittel anderer Art. Wer einen Fischliebhaber gefunden hatte, für den war manche Woche das Leben leichter. Aale waren besonders begehrt. Sie lieferten neben einem hervorragenden Fleisch das zum Braten notwendige aber damals so rare Fett. Die feste Haut des Aals wurde darüber hinaus zu Schnürsenkeln verarbeitet, die ebenfalls kaum zu beschaffen waren. Bevor man aber mit Fischen tauschen konnte, mußte man sie fangen, und da war das größte Problem angesiedelt. Angelgeräte waren nur aus irgendeiner Erbmasse oder gegen wertvolle Tauschobjekte zu erhalten. Doch Angler, insbesondere die leidenschaftlichen, sind erfinderisch. Man traf Sportfreunde mit Besenstielen, die durch spitz zugehobelte Rohrstöcke zu einer elastischen Grundgerte verarbeitet waren. Mit ihren derben Schnüren und aus Stecknadeln gebogenen Angelhaken waren allerdings nur bescheidene Erfolge zu erzielen. Ein Hoch den Sportfreunden, die in wunderbarer Kameradschaft ihre eigenen, bescheidenen Bestände geteilt und zur Ausstattung von Neulingen zur Verfügung gestellt haben. Andere hatten gute Beziehungen und halfen so mit all dem aus, was fehlte. Ihnen allen sei an dieser Steile gedankt, gedankt für die gute Kameradschaft und sportliche Hilfsbereitschaft. Als Chronist konnte ich auf diese großartige menschliche Einstellung nur verweisen, ohne Namen zu nennen, denn sicher waren es mehr, als ihm persönlich bekannt sind und es soll doch niemand beim lesen dieser Zeilen gekränkt werden.

DOCH schauen wir uns weiter im Vereinsgeschehen um. 1945 erlaubte es nach dem Zusammenbruch die Militärregierung, daß sich der Verein neu konstituierte. Sportfreund Karl Grohmüller, 1. Vorsitzender des Vereins in den Kriegsjahren, durfte die Geschäfte nicht fortführen, weil, wie es im 3. Reich unumgänglich war, der ASV Jlvesheim in der Organisation des Reichsnährstandes aufgegangen war. Eine nationalsozialistische Einrichtung, eigentlich unpolitisch, aber eben von der amerikanischen Besatzung widersinnig politisch abgestempelt. Der Sportkamerad Fritz Stein ergriff die Initiative und holte bei den Behörden die Erlaubnis ein, Versammlungen abzuhalten. Die Mitglieder belohnten seine Mühe, indem sie ihn zum 1. Vorsitzenden wählten. Seine Rührigkeit führte 1946 zur Anpachtung des "Wasserloches". Der Zuspruch an diesem Gewässer, das damals zum sagenhaften Preis von 50,- DM Jahreszins angepachtet wurde, war bescheiden. Allerdings bei einem Mitgliedsbeitrag von 3,- DM jährlich, war selbst dieser Spottpreis den meisten Mitgliedern zu hoch. Da konnten selbst kapitale Fänge die Kluft zwischen Befürwortern und Gegnern nicht schließen.

EINE Forderung an die Gemeinde, den Pachtzins zu ermäßigen, führte schließlich, wegen der erwartungsgemäßen Ablehnung dazu, daß der Vertrag gekündigt wurde. Ein Jahr später wurde als Folge von organischen Abfällen, welche ein Industrieunternehmen dort abgelagert hat, ein Fischsterben ausgelöst. Innerhalb von wenigen Tagen des denkwürdigen Frühjahrs 1953 war der gesamte Fischbestand vernichtet. Erschüttert standen Angler und interessierte Bürger am Ufer, wo insbesondere herrliche Aale zu hunderten im verrotteten Laub des Vorjahres verendet lagen. Sie hatten versucht, der stinkenden Brühe, zu der sich das sonst kristallklare Wasser verwandelt hatte, zu entgehen. Ihr Instinkt trieb sie aus dem Wasser. Die Köpfe auf dem Trockenen abgelegt. krepierten sie jämmerlich an Sauerstoffmangel, bevor sie geborgen werden konnten. Kein Hecht. kein Barsch und nicht ein Rotauge haben überlebt.

WO noch Leben zu beobachten war, wurde in pausenlosem Einsatz ge-borgen, was möglich war. So konnten nur noch 1 1/2 Zentner Aale und hunderte Schleien nach einer Hälterung im sauberen Wasser des Korbweidenbeckens der staatlichen Blindenschule in den Neckar eingesetzt werden. Das Wasserloch blieb für die meisten Ilvesheimer Angler verloren, obwohl es mit großem Aufwand von Steuergeldern regeneriert werden konnte. Ein Jahr vor der Katastrophe, im Februar 1952 verzichtete Fritz Stein auf seine Wiederwahl. Sein Nachfolger wurde das damals mit 27 Jahren jüngste Mitglied, Hans Sommer. Ihm oblag es, 1953 das 25-jährige Jubiläum zu organisieren. Er regte die Anschaffung eines Wimpels an. Zwei Mitgliederfrauen (Grohmüller und Dieter) griffen die Anregung auf und präsentierten die schöne Arbeit. Für die Teilnehmer der Jubiläumsversammlung war die Überraschung durch die Initiative der beiden Anglerfrauen perfekt. Erst nach dem Jubiläum stand die skeptisch eingestellte Altherrenmannschaft geschlossen hinter dem jungen Vorsitzenden. Das Jubiläumsfest war zwar bescheiden, trotzdem für alle ein schönes Erlebnis, wenn es auch nur mit der aus einem Zigarrenkistchen genommenen Barschaft finanziert werden konnte. Die Festrede hielt der 1955 verstorbene Präsident des Bundes der Sportfischervereine Richard Selzer. Bei den folgenden Jubiläen ging es dafür hoch her.

MIT der Veranstaltung von Kappenabenden und Weihnachtsfeiern wurde von einigen unentwegten Mitgliedern ein bescheidener, doch damals nicht unerheblicher Kassenbestand erarbeitet. Der Verein wurde auch von mehr Mitgliedern, es waren inzwischen 70, getragen, so daß der Schritt in eine größere Öffentlichkeit gewagt werden konnte. Die inzwischen neu erbaute Mehrzweckhalle wurde fortan bei allen Jubiläumsfeiern Mittelpunkt rauschender Feste, die für jeden etwas brachten, Richard Kugler war ihr souveräner Arrangeur.

DIE Fünfzigerjahre brachten zunächst einen Rückgang der Mitgliederzahlen. Die nur wegen der erwähnten Topffischerei zum Angeln gestoßenen Mitglieder blieben allmählich aus. Andere bauten ihr Haus und mußten pausieren.

DAFÜR kamen ein paar ganz junge Mitglieder, die etwas Aufwind und neue Ideen brachten. So gelang es, eine kleine Mannschaft von Turnierwerfern aufzustellen. Bald waren die Ilvesheimer Werfer unter den Meistern des Bundes der Sportfischervereine (heute Badischer Sportfischerverband). Leider währte der Aufschwung nicht lange. Die Meister heirateten, zogen von Ilvesheim fort und fanden nicht mehr zum Heimatverein zurück. 1960 mußte der 1. Vorsitzende die Vereinsarbeit aus beruflichen Gründen abgeben. Zwei Jahre führte Fritz Wunder den Verein, ein Jahr Friedrich Albert. Bei der Jahreshauptversammlung 1962 wurde der zurückgekehrte Spfr. Hans Sommer wiedergewählt, nachdem er seine berufliche Ausbildung abgeschlossen hatte. In den Sechzigerjahren erlebte der Verein, wie der Angelsport überhaupt, einen neuen Aufschwung. Das Angeln scheint sich zu einem Volkssport zu entwickeln, wie in anderen Ländern auch. Die Mitgliederzahl stieg beständig und erreichte bis zum Jahre 1972 einen Höchststand von 225 Mitgliedern. Viele waren aber nur wegen der besonders günstigen Angelmöglichkeiten von außerhalb gekommen. Der 1971 von der Firma Schweikert in Rheinau angepachtete Baggersee verursachte den Zustrom.

EINE Chronik des Angelsportvereins wäre unvollständig. wenn sie nicht auf die Verbesserung der Wasserverhältnisse in der nächsten Umgebung hingewiesen würde. So muß hier festgestellt werden, daß im Herbst 1967 die Kläranlage in Ilvesheim und im Frühjahr 1968 die Kläranlage des Abwasserverbandes in Neckarhausen den Betrieb aufgenommen haben. Heute zeichnet sich die allmähliche, verbessernde Wirkung der Kläranlagen auf das Neckarwasser ab.

IM Juni 1971 allerdings wütete ein Fischsterben im Neckar, das von einem wolkenbruchartigen Regen ausgelöst worden war. Zu tausenden trieben tote Fische den Neckar hinab. Der Schaden war unabsehbar. Im Jahre 1970 setzte sich schließlich auch die Überzeugung der Mitglieder durch, daß man nur nach niederen Beiträgen schielend, keine gedeihliche Vereinsarbeit leisten kann. Jahrelang hatte sich der 1. Vorsitzende bemüht, die Mitglieder für die Veranstaltung eines Fischerfestes zu gewinnen. Bislang hatte es nichts genützt auf kleinere Nachbarvereine zu verweisen, die schon seit Jahren ihre finanzielle Lage durch die Ausrichtung eines Fischerfestes aufbesserten.

ES dauerte aber Jahrzehnte, bis sich eine Vorstandschaft fand, die geschlossen das Problem Fischerfest anging. Mit Richard Kugler (2. Vorsitzender), Fritz Fischer (Kassierer), und August Neser (Schriftführer) schaffte es der Verein, sich einen Platz in der ersten Reihe des Badischen Sportfischerverbandes und in der Heimatgemeinde zu sichern. Das erste Ilvesheimer-Insel-Fischerfest war dann auch ein voller Erfolg. Die jahrelange Skepsis war überwunden. Es war großartig, wie die alle Erwartungen übertreffende Schlußbilanz neuen Tatendrang auslöste. Ein Gerätelager mit Kühlhaus und einer Toilettenanlage wurden am Festplatz errichtet. Dank an dieser Stelle der Gemeinde Ilvesheim und Herrn Bürgermeister Trapp für den zur Verfügung gestellten Bauplatz. Unter Leitung des Ehrenvorsitzenden Fritz Wunde und maßgeblicher Beteiligung der Spfr. Alois Bien, Fritz Fischer, Robert Hoffert, Manfred Schreck und Heinrich Schweizer entstand der Bau. Ab 1974 erleichterte er die Organisation der weiteren Fischerfeste. Unser aller Dank gilt den genannten Sportfreundeund allen jenen, die ungenannt bleiben mußten.

TROTZ aller guten Leistungen des Vereins und vielleicht gerade weil sich gewisse Unkenrufe, man habe sich übernommen, nicht eingetreten sind, verließen einige Sportfreunde 1973 den Verein, um einen eigenen zu gründen. Der Mitgliederschwund war schnell aufgefüllt, die Spaltung ist nur noch eine Episode.

1975 wurde das Fischerfest von den Sportfreunden Werner Senn und Rolf Sauer neu organisiert, was die Wirtschaftlichkeit sehr verbesserte. Parallel lief der systematische Aufbau einer stark spezialisierten Wettkampfmannschaft. Um sie haben sich die Sportfreunde Klaus Görig, Harald Jungbauer und Manfred Behr besonders verdient gemacht. Letzterer hat als Jugendwart der ASV-Jugend unsere jungen Sportfreunde zu außerordentlichen Erfolgen geführt.

ABER die Senioren waren nicht minder erfolgreich.. Beachtliche Plätze bei badischen und deutschen Meisterschaften im sportlichen Wettfischen wurden errungen. Erich Heitzer hat sich bei den badischen Meisterschaften qualifiziert und den Titel eines deutschen Meisters im sportlichen Wettfischen nur knapp verfehlt. Der Name des ASV Ilvesheim von 1928 e. V. hat dank der hervorragenden Leistungen seiner Junioren-Seniorenmannschaften im Badischen Sportfischerverband und im Verband deutscher Sportfischer, in welchem Angler der ganzen Bundesrepublik zusammengeschlossen sind, einen guten Klang.

FORTAN füllte die Organisation des Fischerfestes und die Bewirtschaftung des Baggersees einen großen Teil der Vereinsarbeit aus. Im Jubiläumsjahr wird der Angelsportverein seinen Pachtzins bis zum Jahre 1982 im voraus entrichtet haben. Der Grund ist leicht zu erklären. 1982 läuft nämlich der Pachtvertrag aus. Sollte er nicht erneuert werden, so haben die Mitglieder wenigstens in den kommenden Jahren die Möglichkeit, die Angelberechtigung voll auszuschöpfen. Der Verein braucht also nicht nur für einen Nachfolgepächter zu sorgen, wenn der Pachtvertrag wider Erwarten nicht verlängert werden sollte.

DAS Jahr 1977 brachte einen neuen Höhepunkt im Vereinsleben. Der Jugendwart Manfred Behr, der lange Zeit beruflich in England lebte, hat mit einem Anglerverein in Letchworth Verbindung aufgenommen. Die geknüpften, freundschaftlichen Bande führten zu einer Reise auf die grüne Insel. Verblüffend war die außerordentlich hohe Beteiligung der Mitglieder und ihrer Angehörigen. Mit 70 Personen in zwei Omnibussen reiste der Verein zu seinen Gastgebern. Alle waren von der rührenden Gastlichkeit bei den englischen Freunden überwältigt. Das Erlebnis England wurde in einem Film festgehalten. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle ausführlicher zu berichten. Festgestellt sei nur, daß dem Angelsportverein Ilvesheim mit diesem Schritt auf internationales Parkett ein weiterer Fortschritt gelungen ist.

DEM Chronisten, der über die nächsten Jahrzehnte Vereinsgeschichte zu berichten haben wird, bleibt es vorbehalten, über den Gegenbesuch unserer englischen Freunde in Ilvesheim 1978 zu berichten. Wir werden uns sehr anstrengen müssen, wenn wir an die vorgegebenen Leistungen der Gastgeber in England anknüpfen wollen. Doch ich bin sicher, daß wir auch dieses Problem lösen werden.
Hans Sommer


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